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Liquordiagnostik

 

Der Liquor cerebrospinalis (Zerebrospinalflüssigkeit, CSF) ist ein wichtiges Untersuchungsmaterial in der Diagnostik

  • akut und chronisch entzündlicher Erkrankungen des ZNS (Meningitis, Enzephalitis),
  • der Demenz-Erkrankungen,
  • von ZNS-Blutungen und Tumoren,
  • der Multiplen Sklerose,
  • der Neuroborreliose,
  • Virusenzephalitis,
  • autoimmunen und paraneoplastischen Syndrome.

Der Liquor wird durch sterile Lumbal- oder seltener durch Ventrikelpunktion gewonnen.

Parallel dazu erfolgt gleichzeitig eine Blutentnahme.

Nur aus diesem Liquor/Serum-Paar können die Liquor/Serum-Quotienten zur Beurteilung der Blut-Liquor-Schranke berechnet werden. Auch Antikörperindizies (AI) zur Erkennung von intrathekalen Antikörperproduktionen können hieraus ermittelt werden.

 

Allgemeiner Status

 

Liquor-Probe

1. Makroskopische Beurteilung des Liquors

2. Zellzählung der Erythrozyten und Leukozyten in der Fuchs-Rosenthal-Kammer

3. Zytogramm, möglichst nach jeder Kammerzählung:

Erstellung von Liquorzytopräparaten / Zytozentrifuge
Liquorzelldifferenzierung

4. Bestimmung der Gesamteiweiß-Konzentration im Liquor

 

 Erweiterter Status

 

Schrankenfunktionsstörung

 

Liquor/Serum-Paar

  • Allgemeiner Status: Beurteilung, Zellzählung, Zytogramm, Gesamteiweiß
  • Glucose und Lactat

Diskriminierung einer bakteriellen von einer viralen Meningitis.

  • Albumin und Albumin-Quotient

Verschiebungen des Albumin-Quotienten bei Entzündungen, Tumoren, Traumen, Ischämie (Hirninfarkt).

  •  Immunglobulin IgG und IgG-Quotient

Delpech-Lichtblau-Quotient (Q IgG)
QIgG= IgG(Liquor) x Albumin(Serum)
IgG(Serum) x Albumin(Liquor)

Q IgG: > 0,7 spricht für eine lokale IgG-Synthese (intrathekale Synthese).

  • Immunglobulin IgA und IgA-Quotient
  • Immunglobulin IgM und IgM-Quotient

 

 Quotienten-Diagramm nach Reiber

 

 reiber1 reiber2 reiber3

 

Grafische Auswertung der Ergebnisse aus der Serum-Liquor-Analyse nach Reiber

1 = Referenzbereich

2 = reine Schrankenstörung

3 = Schrankenstörung mit lokaler IgG-Synthese im ZNS

4 = reine lokale IgG-Synthese

5 = Prä- oder analytischer Fehler

 

 

Intrathekale Synthese

 

Liquor/Serum-Paar

 

  • Albumin und Albumin-Quotient

Verschiebungen des Albumin-Quotienten bei

Entzündungen, Tumoren, Traumen, Ischämie (Hirninfarkt).

  • Immunglobuline IgG, IgA, IgM und Quotienten

Delpech-Lichtblau-Quotient (Q IgG)

Q IgG: > 0,7 spricht für eine lokale IgG-Synthese (intrathekale Synthese).

  • Quotienten-Diagramm
  • Oligoklonale Banden

Isoelektrische Fokussierung, Immunoblot

Nachweis intrathekaler IgG-Fraktionen unterhalb von

10 - 20% des Gesamt-IgG, insbesondere bei Multipler Sklerose.

 

 

 

Meningiales und/oder encephalitisches Syndrom

 

Liquor/Serum-Paar

 

  • Liquor-Status mit Quotienten-Diagramm
  • Antikörper-Bestimmung mit Antikörperindex (AI)
    • Borrelien
    • Cytomegalie
    • Epstein-Barr-Virus
    • FSME-Virus
    • Masern-Virus
    • Mumps-Virus
    • Röteln-Virus
    • Toxoplasma gondii
    • Treponema pallidum
    • Varizella-Zoster-Virus

 

  • PCR-Direktnachweis
    • Enterovirus
    • FSME-Virus
    • Herpes-Simplex-Virus
    • Meningokokken
    • Mycobacterium tuberculosis-Komplex
    • Toxoplasma gondii
    • Varizella-Zoster-Virus

 

  • Bakteriologischer Nachweis mittels Mikroskopie und Kultur

 

 

Demenzerkrankungen

 

Liquor/Serum-Paar

 

  • Tau-Protein

Am besten untersucht ist die Erhöhung des Tau-Proteins bei M. Alzheimer. Es ist auch erhöht bei Erkrankungen mit Schädigung der Neuronen anderer Genese (degenerativ, entzündlich, vaskulär, tumorös) und bei der Creutzfeldt-Jakob Erkrankung.

  • Phospho-Tau

Nach jetzigem Kenntnisstand ist Phospho-Tau insbesondere erhöht bei Alzheimer-Demenz.

  • Quotient (Tau-Protein/Phospho-Tau)
  • ß-Amyloid 1-42

Bei Alzheimer-Demenz werden typischerweise erniedrigte Werte gefunden.

  • ß-Amyloid 1-40

Bei der Plaquebildung kommt es zu einer Abnahme der Konzentration des ß-Amyloid-1-42-Proteins im Liquor, während die Gesamtkonzentration aller Amyloidproteine und die des ß-Amyloids mit der höchsten Konzentration (ß-Amyloid 1-40) unverändert bleibt.

  • Quotient (ß-Amyloid 1-42 / ß-Amyloid 1-40)

Mit der Bestimmung des Quotienten wird eine höhere Spezifität als bei alleiniger Bestimmung von ß-Amyloid 1-42 erreicht.

  • Protein 14-3-3

Marker für Nervenzellläsionen. Nachweisbar z.B. bei Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung, viraler Encephalitis, Insult (Schlaganfall), Subarachnoidalblutung oder Rett-Syndrom.

  • Protein-S100

Protein der Sternzellen. Unspezifischer Marker für Hirnschädigungen.

  • Neuronenspezifische Enolase (NSE)

Unspezifischer Marker für Hirnschädigungen.

 


 Polyneuropathie

 

Liquor/Serum-Paar

 

  • Allgemeiner Status: Beurteilung, Zellzählung, Zytogramm, Gesamteiweiß
  • Albumin und Albumin-Quotient
  • Immunglobuline IgG, IgA, IgM und Quotienten
  • Quotienten-Diagramm
  • Oligoklonale Banden

Isoelektrische Fokussierung, Immunoblot

  • Antikörper-Bestimmung mit Antikörperindex (AI)
  • MRZ-Reaktion (Masern, Röteln, Varizellen-Zoster)

 

 

Tumordiagnostik

 

Liquor/Serum-Paar

 

  • CEA

Im ZNS gebildetes CEA ist ein starker Hinweis auf eine intrathekale Metastasierung eines CEA-produzierenden Karzinoms. Bei ca. 90 % aller Meningealkarzinosen, jedoch nur bei etwa 45 % der Metastasen im Hirnparenchym ist eine intrathekale CEA-Erhöhung zu erwarten.

 

 

Liquorrhoe, Liquorfistel

 

Nasensekret, andere Sekrete

 

  • beta-Trace-Protein

Das beta-Trace-Protein, eine Prostaglandin D-Synthase, liegt im Liquor in einer im Vergleich zum Serum ca. 33-fach höheren Konzentration vor. Im Probenmaterial ist beta-Trace-Protein bei Raumtemperatur über 25 Stunden stabil. Bei Verdacht auf eine Liquorrhoe ist die Bestimmung des beta-Trace-Protein die Methode der Wahl um die austretende Flüssigkeit als Liquor zu identifizieren. Für die Fragestellung ist die zusätzliche Einsendung und Untersuchung einer Serumprobe nicht erforderlich.

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