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Allergiediagnostik

 

Allergien sind durch spezifische Änderungen der Immunitätslage im Sinne einer überschießenden Immunreaktion des Patienten gekennzeichnet. Diese Immunreaktionen lassen sich mit der Klassifizierung nach Coombs und Gell in die Reaktionstypen Typ I bis Typ IV einteilen. Die Reaktionen vom Typ I und Typ III sind am weitesten verbreitet.

Typ I-Reaktion, Sofort-Typ

Bei der IgE-vermittelten Sofortreaktion vom Typ I liegt eine Sensibilisierung gegen ein oder mehrere Antigene (Allergene) vor. In der Sensibilisierungsphase werden durch B-Zellen spezifische Antikörper gebildet, die dann an Mastzellen und basophile Granulozyten gebunden werden.

 

 allergische reaktion typ1

 

Bei erneutem Allergenkontakt kommt es zur Degranulation dieser Zellen und dadurch zu einer Freisetzung von Entzündungsmediatoren wie Histamin, Sulfidoleukotrienen und Prostaglandinen. Diese Substanzen sind für die typischen Symptome wie Rhinitis, Juckreiz, Ödeme, Urtikaria und Asthma verantwortlich.

Für die In-vitro-Diagnostik einer IgE-vermittelten Reaktion vom Soforttyp I wird ein sehr sensitives Messverfahren (3gAllergy) mit über 470 Einzel- und Gruppen-Allergenen eingesetzt. Zur übersichtlichen Laboranforderung stellen wir einen speziellen Anforderungsbogen „Allergiediagnostik“ zur Verfügung. Siehe auch Allergenübersicht im Anhang.

 

 

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Pollenflugkalender für Deutschland

 

 

Nahrungsmittelallergien

Eine allergische Reaktion auf Lebensmittel ist eine spezifische Überempfindlichkeit gegenüber Nahrungsmitteln und ist von einer Nahrungsmittelintoleranz, einer Unverträglichkeits nicht allergischer Genese, abzugrenzen.

Bei Kindern werden Allergene hauptsächlich über den Gastrointestinaltrakt aufgenommen. Deshalb sind bei Kleinkindern entsprechend Reaktionen bei Kuhmilchproteinen, Hühnereiweiß, Weizen, Soja und Erdnuss zu beobachten. Mit zunehmendem Alter treten diese Nahrungsmittelallergien in den Hintergrund und werden von den bekannten, typischen Inhalationsallergenen abgelöst.

Besteht bei Jugendlichen oder Erwachsenen der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie, können Diagnose und Therapie eine besondere Herausforderung darstellen. Isolierte Nahrungsmittelallergien sind im Erwachsenenalter eher die Ausnahme.

Orales Allergie-Syndrom (OAS)

Die Nahrungsmittelallergie wird hierbei oftmals durch eine Sensibilisierung gegenüber Inhalationsallergenen ausgelöst. Diese Kreuzreaktionen sind auf Allergengemeinschaften in der Pflanzenwelt zurückzuführen.

Birkenpollen-Nüsse-Obst-Syndrom
 häufigste Pollen-assoziierte Nahrungsmittelallergie

Ausgelöst durch: Birken-, Erlen-, Haselpollen
Mögliche Kreuzreaktionen mit: Nüssen, Kern- und Steinobst, exotischen Früchten, Gemüse und Gewürzen

Beifuss-Sellerie-Gewürz-Syndrom
wesentlich seltener als die Birkenpollen-assoziierte Nahrungsmittelallergie

Ausgelöst durch: Beifusspollen
Mögliche Kreuzreaktionen mit: Gemüse, Gewürzen, Kräutern

Gräserpollen-Tomaten-Syndrom

Ausgelöst durch: Gräserpollen
Mögliche Kreuzreaktionen mit: Gemüse, Hülsenfrüchten und Getreide

Ambrosien (Ragweed)-Bananen-Melonen-Syndrom
das früher nur in Amerika relevante Ragweed verbreitet sich auch in Europa

Ausgelöst durch: Ambrosienpollen
Mögliche Kreuzreaktionen mit: Gemüse und Früchten

Latex-Früchte-Syndrom

Ausgelöst durch: Naturlatex
Mögliche Kreuzreaktionen mit: Früchten, Nüssen und Gemüse

 

 

 Kreuzallergie2

 Tabelle Allergische Kreuzreaktionen

 

Kreuzreaktionen sind jedoch nicht auf das Pflanzenreich begrenzt, sondern finden sich auch bei Tieren und tierischen Produkten. Klassische Beispiele sind das Vogel-Ei-Syndrom (hier ist die Homologie zwischen dem Dotter- und dem Serum-Albumin der Vögel verantwortlich) oder das Milben-Garnelen-Syndrom (hier löst das gemeinsame Muskelprotein Tropomyosin die Reaktionen aus).

 

Vogel-Ei-Syndrom (Feder-Ei-Syndrom)
neben Geflügel kommen auch Stubenvögel in Betracht

Ausgelöst durch: Vogelproteine, Vogelfedern
Mögliche Kreuzreaktionen mit: Hühnerei und Geflügelfleisch

Milben-Garnelen-Krustentiere-Syndrom
Auslöser ist das Muskelprotein Tropomyosin

Ausgelöst durch: Hausstaubmilben
Mögliche Kreuzreaktionen mit: Krustentieren, Insekten, Weichtieren

 

Typ III-Reaktion, Immunkomplex-Typ
exogen allergische Alveolitis, spezifisches IgG, Serumkrankheit, Vasculitis allergica

Grundlage der Antikörper-vermittelten allergischen Typ III-Reaktion ist die Bildung und Ablagerung von Immunkomplexen unter Beteiligung von IgG-Antikörpern.

Die dadurch ausgelöste Aktivierung von Phagozyten und des Komplementsystems führt zur Destruktion kleiner Blutgefäße und von Gewebe. Häufige Manifestationen sind die Vasculitis allergica, die Serumkrankheit sowie die exogen allergische Alveolitis. Typische Formen der exogen allergischen Alveolitis und die entsprechenden auslösenden Allergene sind:

 

  • Farmerlunge
    Dreschstaub, Heu, Stroh, Micropolyspora faeni, Sporolomyces, Thermoactinomyces vulgaris
  • Holzstaublunge
    verschiedene Holzsorten, insbesondere Mahagoniholz
  • Taubenzüchterlunge
    Taubenfedern, Taubenkot, Taubenserumprotein, Schimmelpilze
  • Vogelhalterlunge
    Kanarienvogel-, Wellensittich-, Nymphensittich-, Papageien-, Enten-, Gänse- und Hühner-Serumproteine, die in Exkrementen und Federn enthalten sind.


 Weitere Untersuchungen in der Allergiediagnostik

 

Eosinophiles kationisches Protein (ECP)

Indikation:

  • Aktivitätsmarker bei akuten allergischen Erkrankungen
    (Asthma bronchiale, atopische Dermatitis), Parasitosen.
  • Differentialdiagnostik allergische/nichtallergische Erkrankungen
  • Therapiekontrolle (Monitoring)

 

Tryptase

Nachweis der Mastzellbeteiligung bei allergischen Reaktionen (besonders nach Insektenstich, Nahrungsmittelkontakt, Pharmakagabe)

Indikation:

  • Differentialdiagnostik einer unklaren Schockreaktion
  • Verdacht auf Mastozytose

 

Pseudoallergische Reaktion: Diaminooxidase (DAO)

Die Diaminooxidase ist das wichtigste Abbauenzym für Histamin. Histamin wird entweder durch Mastzellen ausgeschüttet oder aber durch Nahrungsmittel wie Rotwein, Tomaten oder Hartkäse aufgenommen. Bei einem Mangel an DAO wird Histamin nicht schnell genug abgebaut und Symptome wie z.B. Rhinitis, Migräne oder Magen-Darm-Probleme können auftreten.

Indikation:

  • Verdacht auf Histamin-Unverträglichkeit (Histamin-Intoleranz)
  • Nahrungsmittel-Unverträglichkeit unklarer Genese
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